Vertrieb unter Druck: Automatisierung als Antwort auf knappe Ressourcen

Die Anforderungen im B2B-Vertrieb steigen, doch viele mittelständische Zulieferbetriebe kämpfen damit, ihren Vertrieb effizient und effektiv zu organisieren mit begrenzten Kapazitäten. Beim dritten Teil der Workshop-Reihe SALES BOOST, organisiert vom Automotive-Netzwerk AuToS und der Betrieblichen Bildungsstätte Tuttlingen (BBT), wurde deutlich: Wer im Vertrieb erfolgreich bleiben will, muss Prozesse vereinfachen, digitale Werkzeuge gezielt einsetzen und intern für mehr Beweglichkeit sorgen.

Die Teilnehmenden hatten seit dem letzten Termin erste Erfahrungen mit Kalt Neukundenakquise gesammelt. Die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus und eines wurde schnell klar: Entscheidend sind nicht punktuelle Vertriebsaktivitäten, sondern kontinuierliche und fokussierte Vertriebsarbeit. Und diese erfordert ein Zusammenspiel aus geeigneten Tools, flexiblen Prozessen und schnellen internen Abläufen.

Im Austausch wurden typische Hürden benannt, die den Vertrieb ins Stocken bringen: fehlende Unterstützung durch einen Vertriebsinnendienst, langwierige Angebotskalkulationen, Abstimmungsprobleme zwischen Abteilungen und eine geringe Bereitschaft, neue Ansätze zu testen. Hinzu kommt, dass vielen Unternehmen schlicht die Zeit fehlt, sich mit digitalen Tools und Strategien vertraut zu machen.

Gleichzeitig zeigte der Workshop, wie moderne Werkzeuge helfen können, diese Engpässe zu überwinden. Immer mehr Teilnehmende setzen inzwischen auf KI-gestützte Anwendungen wie ChatGPT zur Textoptimierung oder zur Vorbereitung von E-Mails. Auch Automatisierungslösungen wie Dripify oder LinkedIn Sales Navigator kommen zum Einsatz – besonders dort, wo kein Backoffice vorhanden ist.

Referent Hubert Wagner brachte es auf den Punkt:
„Ein Maler braucht Pinsel, Farbe und eine Leiter – ein moderner Vertriebler braucht LinkedIn, Sales Navigator und Automatisierungstools. Erst damit wird skalierbarer Vertrieb möglich.“
Automatisierte Workflows übernehmen Aufgaben wie Kontaktanfragen, Follow-ups und die Dokumentation von Interaktionen. So lassen sich mehrere Hundert potenzielle Neukunden gleichzeitig ansprechen – ohne zusätzlichen personellen Aufwand. Die Kosten für ein Basis-Setup liegen bei rund 200 Euro pro Monat. Im Vergleich zur manuellen Nachverfolgung oder zusätzlichen Vertriebsmitarbeitenden ergibt sich ein klarer Effizienzgewinn.

Die Teilnehmenden gingen mit einer klaren Agenda aus dem Workshop. Zunächst gilt es, interne Abläufe zu ordnen – etwa bei der Pflege von Kundendaten, der Rollenverteilung im Vertrieb und der Freigabe von Angeboten. Darauf aufbauend sollten die passenden Werkzeuge bereitgestellt werden: ein funktionierendes CRM-System, ein Recherchetool und Lösungen zur Automatisierung von Kampagnen.

Ebenso wichtig ist es, intern mehr Beweglichkeit zu schaffen – etwa durch kürzere Meetings, schnellere Entscheidungen und die Bereitschaft, neue Methoden im kleinen Rahmen zu testen. Ein Pilotprojekt kann helfen, erste Erfahrungen zu sammeln und die Strategie schrittweise weiterzuentwickeln.

Der Workshop hat gezeigt: Digitale Werkzeuge allein reichen nicht aus. Erst wenn Prozesse klar definiert sind und die Organisation bereit ist, neue Wege zu gehen, entsteht echter Fortschritt. Gerade für mittelständische Unternehmen mit begrenzten Ressourcen kann Automatisierung und gezielter KI-Einsatz ein entscheidender Hebel sein, um den Vertrieb effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen.“

Referent Hubert Wagner erklärt die Chancen von Automatisierung im Vertrieb. Foto: Carmen Kaupp

Das könnte Sie auch interessieren


  • China-Speed als Vorbild für deutsche Zulieferer?

    China-Speed als Vorbild für deutsche Zulieferer?

    Deutsche Automobilzulieferer stehen unter starkem Transformationsdruck durch geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten und volatile Märkte. Beim AuToS-Netzwerk wurde deutlich, dass Anpassungsfähigkeit der zentrale Erfolgsfaktor ist. Der chinesische Fünf-Jahres-Plan zeigt neue Marktregeln: weniger Subventionen, mehr Wettbewerb und technologische Unabhängigkeit. Unternehmen, die schneller entscheiden und flexibel reagieren, sichern ihre Zukunftsfähigkeit.

    Mehr erfahren

  • IHK und AuToS-Netzwerk begrüßen technologieoffene Linie der Bundesregierung

    IHK und AuToS-Netzwerk begrüßen technologieoffene Linie der Bundesregierung

    Die Bundesregierung fordert von der EU-Kommission deutlich mehr Technologieoffenheit in der künftigen Regulierung der Automobilbranche. Über den bisherigen Vorschlag hinaus setzt sie sich für flexiblere Flottenregeln, die Anerkennung erneuerbarer Kraftstoffe und den Abbau einseitiger Vorgaben ein. Für die Wirtschaft in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist dies ein wichtiges Signal: Es stärkt Planungssicherheit, Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit…

    Mehr erfahren

  • „Großes Wissen in kurzer Zeit“ – CAD/CAM-Kompetenz kompakt vermittelt

    „Großes Wissen in kurzer Zeit“ – CAD/CAM-Kompetenz kompakt vermittelt

    Wie lassen sich Mitarbeitende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen in einem spannenden und kompakten Format für digitale Fertigungsprozesse qualifizieren? Der AuToS-Workshop „CAD/CAM & CNC live erleben“ in Kooperation mit der SolidCAM GmBH zeigte, wie es geht: In nur einem Tag erwarben die Teilnehmenden grundlegende Kompetenzen in Konstruktion, Programmierung und Fertigung – und setzten diese direkt in die…

    Mehr erfahren

  • Lehrgang mit Wirkung: Wie SHW Robotik-Kompetenz gezielt aufbaut

    Lehrgang mit Wirkung: Wie SHW Robotik-Kompetenz gezielt aufbaut

    Praxischeck: Welche Wirkung hat der Robotik-Zertifikatslehrgang im Alltag? Sebastian Urbic, Ausbildungsleiter und Training Manager bei SHW Brake Systems in Neuhausen ob Eck, hat am Lehrgang teilgenommen und vor Ort gezeigt, wie er das Gelernte direkt im Arbeitsalltag integriert.

    Mehr erfahren

  • Diversifikation: Wie KI neue Marktpotenziale sichtbar macht

    Diversifikation: Wie KI neue Marktpotenziale sichtbar macht

    Neue Märkte versprechen Wachstum – doch viele Diversifikationsprojekte in der Automobilzulieferindustrie scheitern an fehlender Klarheit und Struktur. Im ersten Webinar der SALES BOOST Reihe der BBT mit Vertriebsexperte Hubert Wagner wurde gezeigt, wie Unternehmen ihre Kernkompetenzen gezielt übertragen und mithilfe von KI neue Potenziale erschließen können.

    Mehr erfahren

  • Aktuelle IHK-China-Analyse: Pekings Zukunftsstrategie trifft die heimische Wirtschaft

    Aktuelle IHK-China-Analyse: Pekings Zukunftsstrategie trifft die heimische Wirtschaft

    Chinas neuer Fünfjahresplan setzt auf technologische Unabhängigkeit und beeinflusst weltweite Lieferketten. Die IHK SBH beleuchtet die Folgen für die exportstarke Region Schwarzwald‑Baar‑Heuberg, insbesondere für Maschinenbau‑ und Automobilzulieferer, und gibt Orientierung für Unternehmen.

    Mehr erfahren

  • Automobilwirtschaft der Region unter Druck – Experten betonen Bedeutung von Kooperationen

    Automobilwirtschaft der Region unter Druck – Experten betonen Bedeutung von Kooperationen

    Die Autoindustrie der Region steht weiter unter Druck. Eine IW‑Auswertung und Fachbeiträge im IHK‑Arbeitskreis zeigen: Klassische Antriebe verlieren an Bedeutung, neue Felder entstehen langsam. Kooperation, Technologietransfer und das AuToS‑Netzwerk werden immer wichtiger für die Transformation.

    Mehr erfahren

  • SHW & IHK im Arbeitsgespräch mit Europaabgeordneter Vivien Constanzo

    SHW & IHK im Arbeitsgespräch mit Europaabgeordneter Vivien Constanzo

    Die SHW Brake Systems GmbH empfing SPD-Europaabgeordnete Vivien Costanzo zum Austausch über die Auswirkungen der geplanten Euro‑7‑Norm auf Zulieferer. Themen waren steigende Investitionslast, Marktunsicherheit, bürokratische Anforderungen und Transformationsdruck. Organisiert durch das IHK AuToS Netzwerk bot der Besuch Einblicke in Herausforderungen und Chancen der regionalen Automobilzulieferindustrie.

    Mehr erfahren

  • Über 100 Mitglieder: AuToS Netzwerk etabliert sich in der Region

    Über 100 Mitglieder: AuToS Netzwerk etabliert sich in der Region

    Das regionale AuToS‑Netzwerk zählt inzwischen über 100 Mitglieder. Der Zusammenschluss aus Unternehmen, Forschung und Organisationen gewinnt weiter an Bedeutung, da viele Zulieferer in der Region SBH angesichts der Transformation der Automobilindustrie Orientierung und Austausch suchen.

    Mehr erfahren

  • AuToS-Workshopreihe „Einstieg in die Rüstungsindustrie“ vor dem Abschluss

    AuToS-Workshopreihe „Einstieg in die Rüstungsindustrie“ vor dem Abschluss

    Die neue AuToS‑Workshopreihe zeigt den wachsenden Orientierungsbedarf regionaler Automobilzulieferer. Viele Unternehmen in der Region SBH prüfen angesichts des Strukturwandels mögliche Chancen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

    Mehr erfahren

Nächstes Event

AuToS-Talk: Personalverantwortung im Bereich Elektrotechnik – Zwischen Pflicht und Praxis – So sichern Sie sich rechtlich ab!

Viele Automobilzulieferer unterschätzen es: Elektrotechnische Verantwortung betrifft nicht nur die Elektrofachkraft – sondern weite Teile der Belegschaft. Es gilt: Überall dort, wo Mitarbeitende mit elektrischen Anlagen, Maschinen oder Betriebsmitteln arbeiten oder ihnen ausgesetzt sind, entstehen Pflichten – unabhängig von Ausbildung oder Stellenbezeichnung.

In unserem AuToS-Talk mit Experte Hans-Jörg Iseler erhalten Sie einen klaren Überblick über Ihre rechtlichen Pflichten und konkrete Praxishilfen, um den Bereich Elektrotechnik in Ihrem Betrieb gesetzeskonform und zukunftssicher zu organisieren. Nutzen Sie die Chance, Ihr Unternehmen rechtlich sauber aufzustellen – bevor kleine Fehler große Folgen haben!

Mehr erfahren