Dass sich in der Region Schwarzwald‑Baar‑Heuberg etwas in Bewegung setzt, war beim Auftakt der neuen Workshopreihe deutlich spürbar. Das von der IHK initiierte AuToS-Netzwerk hat das Format auf die Beine gestellt, um den Einstieg regionaler Automobilzulieferer in die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu erleichtern. Bereits bei einer ersten IHK-Veranstaltung zu dem Thema im vergangenen November war großes Interesse der lokalen Industrie spürbar und zugleich erkennbar, dass viele Unternehmen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nach Orientierung suchen.
Der jetzige Termin im Haus der Wirtschaft machte jedoch eindringlich sichtbar, vor welchen Herausforderungen viele Unternehmen derzeit stehen. Die Transformation der Automobilindustrie, insbesondere die Verlangsamung des klassischen Antriebsstranggeschäfts und der Druck zur Diversifizierung, zwingt zahlreiche Zulieferer zu grundsätzlichen strategischen Entscheidungen. Parallel wächst die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie seit einigen Jahren spürbar, getrieben von geopolitischen Entwicklungen, gestiegenen Verteidigungsbudgets und einem massiven Modernisierungsbedarf vieler Streitkräfte. Für Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Metallverarbeitung, Elektronik oder Fahrzeugtechnik können sich daraus neue Marktchancen ergeben.
Doch der Weg in diese Branche ist für die meisten kein Selbstläufer. Viele Teilnehmende formulierten am Rande der Veranstaltung ähnliche Fragen:
Wie hoch sind die Hürden? Welche Zertifizierungen werden verlangt? Welche Produktionskompetenzen sind übertragbar? Und vor allem: Lohnt sich der Einstieg langfristig?
Die Auftaktveranstaltung konnte diese Fragen naturgemäß nicht vollständig beantworten, zeigte aber, warum der Austausch gerade jetzt wichtig ist. Zum einen, weil sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so schnell verändern wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zum anderen, weil die Region SBH mit ihrer hohen industriellen Dichte, ihrer exportorientierten Struktur und ihrem starken Mittelstand in vielen Bereichen bereits Kompetenzen besitzt, die in sicherheitsrelevanten Anwendungen gefragt sind.
Die Workshopreihe versteht sich dabei weniger als Fachseminar und mehr als Orientierungshilfe in einer Phase, in der sich viele Unternehmen neu aufstellen müssen. Der große Zulauf zum ersten Workshop-Termin lässt vermuten, dass der Bedarf nach solcher Unterstützung wächst.
In den kommenden beiden Modulen sollen der Zugang zu Lieferketten und die konkrete Transformation von Produktionsprozessen im Mittelpunkt stehen. Ob am Ende alle Teilnehmer auch tatsächlich in die neue Branche einsteigen, bleibt offen. Doch der Start der Reihe hat gezeigt: Die Unternehmen der Region wollen sich informieren, vergleichen, Kontakte knüpfen und damit selbst gestalten, wie sich der industrielle Strukturwandel vor Ort entwickelt.