Wandel mit Weitblick: Wie die Region ihre Autoindustrie zukunftsfähig macht

Was kommt nach dem Verbrenner? Und was bedeutet Transformation jenseits von Elektromobilität? Beim AuToS-Talk am 7. April, initiiert von der Hahn-Schickard-Gesellschaft (HSG), zeigte sich: In vielen Regionen Deutschlands werden Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft durch regionale Transformationsnetzwerke begleitet – mit ganz unterschiedlichen Strategien.

Dr. Michal Bojan-Pierun vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) präsentierte die aktuelle Lage der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen betonte er gleich zu Beginn: Es besteht kein Grund zur Schwarzmalerei. Viele Unternehmen blicken mit vorsichtigem Optimismus nach vorn und zeigen bereits heute eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit.

Der Anteil reiner Verbrennerspezialisten in der Region ist vergleichsweise gering. Zahlreiche Betriebe verfügen bereits über Standbeine in anderen Branchen – etwa in der Medizintechnik – oder entwickeln Produkte, die unabhängig vom klassischen Verbrennungsmotor sind oder sich sogar den neuen Antriebstechnologien zuordnen lassen.

Der Rückgang klassischer Antriebstechnologien sei zwar absehbar, so Dr. Michal Bojan-Pierun, vollziehe sich aber schrittweise – und genau darin liege auch eine Chance: Unternehmen gewinnen Zeit, sich strategisch auf die Zeit nach dem Verbrenner einzustellen. Denn jede Veränderung eröffnet neue Perspektiven.

Gleichzeitig machte Dr. Michal Bojan-Pierun deutlich: „Transformation ist kein Selbstläufer. Sie braucht gezielte Strategien, Wissenszugang und starke Netzwerke.“

Das vom IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg initiierte AuToS-Netzwerk setzt genau hier an: Es unterstützt Unternehmen in Südwestdeutschland dabei, zukunftsfähige Strategien zu entwickeln, Wissen aktiv zu teilen und Mitarbeitende gezielt weiterzubilden – für eine erfolgreiche Zukunft jenseits eingefahrener Pfade.

Nils Schweizer vom niedersächsischen Beratungsnetzwerk syngenity brachte eine differenzierte Perspektive zur Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) ein. Seiner Einschätzung nach sei die Technologie zwar von Bedeutung, derzeit jedoch noch nicht ausschlaggebend. Er beschrieb KI als evolutionäre, nicht revolutionäre Entwicklung. Ihr Potenzial liege in der messbaren Verbesserung von Prozessen, etwa bei der Optimierung von Lieferketten, der Erkennung von Anomalien oder beim Forecasting durch Machine Learning. Gleichzeitig warnte er davor, überhöhte Erwartungen an die Technologie zu stellen, da sowohl Datenabhängigkeiten zunähmen als auch gesellschaftliche und regulatorische Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar seien.

Für Julian Baschin vom bayrischen MIAMY Transformation Hub liegt der Fokus derzeit auf dem autonomen Fahren. Darüber hinaus arbeite man an einem sogenannten Trendradar, das als Innovations-Früherkennungssystem fungieren soll. Ziel dieses technischen Kompasses sei es, Branchentrends frühzeitig zu erkennen und Entwicklungssprünge gezielt voranzutreiben.

Pascal Strobel, Leiter des Netzwerks Automotive.saarland, lenkte die Aufmerksamkeit auf weitere Schlüsselbereiche des Wandels. Er verwies auf rund 42.500 Beschäftigte in 265 Unternehmen der saarländischen Automobilindustrie. Seiner Darstellung nach seien Elektromobilität und Digitalisierung nur Teile eines umfassenderen Wandels. Zunehmend gewinne auch die Kreislaufwirtschaft sowie der Aufbau nachhaltiger Energiesysteme an Bedeutung für die Unternehmen im Saarland.

Simon Herrlich, der bei der HSG für Unternehmensentwicklung sowie für Technologiemanagement und -transfer verantwortlich ist, zeigte sich überzeugt, dass die schnellen Veränderungen in der Branche Unterstützung für die Unternehmen erforderlich machen. Regionale Transformationsnetzwerke seien ein guter Ansatz, um auf lokale Schwerpunkte der Branche passende Angebote zu entwickeln. Entscheidend sei dabei der enge Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – nur so könnten tragfähige Lösungen entstehen, die den Wandel aktiv gestalten.


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Simon Herrlich vom AuToS-Projektpatner HSG.

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