Mit Rüstungskapazitäten aus der Krise – Warum AuToS für die Region mehr ist als ein Projekt

Dass sich die Automobilwirtschaft im Umbruch befindet, ist keine neue Nachricht. Neu ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der sich die Probleme nun in der Fläche zeigen. Viele Zulieferer in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg berichten seit Monaten von kurzfristigen Abrufänderungen, volatilen Stückzahlen und einer Planungsunsicherheit, die man aus früheren Jahrzehnten so nicht kannte. Die Folge: Die einst als „sicher“ geltende Automotive-Abhängigkeit wird selbst für etablierte Mittelständler zur Belastung. Mit dem Projekt AuToS hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg bereits vor zwei Jahren begonnen, einen Rahmen für diese zunehmende Unsicherheit zu schaffen.

Aus der anfänglichen Strukturinitiative ist Schritt für Schritt ein Arbeitsinstrument entstanden, das Unternehmen nicht nur informiert, sondern konkrete Entwicklungspfade aufzeigt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich vorhandene Stärken der regionalen Zulieferer so weiterdenken lassen, dass daraus neue Märkte, Partnerschaften oder Technologien entstehen können. Der Ansatz ist bewusst pragmatisch: weniger Grundsatzdebatten, mehr Orientierung durch greifbare Perspektiven und Projekte mit Entwicklungspartnern.

Dazu gehört inzwischen auch, dort hinzuschauen, wo lange Zeit viele Unternehmen aus der Zulieferbranche nur ungern hinschauen wollten. Die jüngste Veranstaltung des Automotive-Netzwerks AuToS der IHK mit dem Rüstungsexperten Götz Witzel zum Einstieg in die Verteidigungsindustrie ist ein gutes Beispiel dafür. Dass sich knapp 100 Unternehmen mit Vergabeportalen der Bundeswehr, NATO-Qualitätsstandards oder der Frage beschäftigten, wie viel Mittelstand eigentlich in einem modernen Schützenpanzer steckt, zeigt vor allem eines: Die Bereitschaft, neue Märkte ernsthaft in Betracht zu ziehen, wächst.

Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, AuToS auf ein Schaufenster für „Rüstung als Ausweichgeschäft“ zu reduzieren. Das Automotive-Netzwerk verfolgt zusammen mit weiteren Projektpartnern einen breiteren Ansatz: Diversifikation als strategische Antwort auf eine Branche, deren Zukunft nicht zwangsläufig berechenbarer wird. Die neue E-Mobilität braucht andere Komponenten, oft in geringerer Wertschöpfungstiefe und Software gewinnt an Bedeutung.

Für eine Region, die stark von der mechanischen Fertigung geprägt ist, ist das eine Herausforderung. Doch gerade hier gewinnt das Netzwerk an Bedeutung: Es bündelt Kompetenzen, schafft Sichtbarkeit, bringt Betriebe zueinander, die bislang aneinander vorbeigearbeitet haben. Das digitale AuToS-Portal, seit Herbst dieses Jahres live, ordnet erstmals systematisch, wer was kann und wer zu wem passen könnte, wenn es darum geht, gemeinsam neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Dazu kommen Schulungsprogramme, die vom Wasserstoff über neue Fertigungsverfahren bis zu Managementstrategien für Transformationsprozesse reichen. Und nicht zuletzt eine wachsende Zahl an Firmen, die den Austausch suchen, weil sie spüren, dass der bisherige Weg allein nicht mehr trägt. Die IHK hat früh erkannt, dass dieser Wandel nicht allein in den Werkshallen der Unternehmen stattfinden kann. Transformationsprozesse brauchen Plattformen, an denen man Informationen bündelt, Märkte erklärt und Hemmschwellen abbaut. Ob es um Luftfahrt, Medizintechnik, Sicherheits- und Verteidigungsindustrie oder neue Nischen im Maschinenbau geht: Die Bereitschaft, Alternativen zur klassischen automobilen Wertschöpfung zu testen, ist größer geworden. Die AuToS-Formate der IHK und ihrer Projektpartner wirken inzwischen wie Katalysatoren, die Mut machen, sich nicht auf ein „Weiter so“ zu verlassen. Für die Region stellt sich damit weniger die Frage, ob der Strukturwandel kommt ,sondern wie man ihn nutzen kann. Und genau dort trifft AuToS einen Nerv. Wer die mittelständische Landschaft im Schwarzwald-Baar-Heuberg kennt, weiß: Veränderung wird hier selten laut angekündigt, aber oft konsequent umgesetzt. Wenn ein Netzwerk wie AuToS hilft, aus vielen individuellen Herausforderungen eine gemeinsame strategische Bewegung zu formen, könnte das für die Region mehr bedeuten als nur ein weiteres Förderprojekt. Es könnte der Beginn einer industriellen Neujustierung sein, die den Zulieferern wieder ein Stück mehr Planungssicherheit

Rüstungsexperte Götz Witzel skizziert den Zulieferern Wege für den Einstieg in die Sicherheits- und Verteidigungsbranche. Foto: Michael Kienzler

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